Das Gemälde zeigt eine mittelalte Frau in Arbeitskleidung, gemalt in Öl auf Leinwand. Sie ist in einer Halbnahaufnahme dargestellt und nimmt fast den gesamten rechten Bildbereich ein. Ihr Gesicht wirkt erschöpft und ernst. Die Frau trägt eine dünne, transparente Einweghaube aus Netzmaterial über ihren grauen Haaren; über den Ohren sitzen große, dunkelgrüne Kapselgehörschützer mit schwarzem Bügel. Ihre Haut ist fahl, leicht rosig an den Wangen und stärker gerötet um die Augen. Die Gesichtszüge sind kantig, mit tieferen Linien um Mundwinkel und Augen. Ihre Lider sind leicht gesenkt, und der Blick geht nach unten, wodurch ein Ausdruck von Konzentration, Müdigkeit oder Nachdenklichkeit entsteht. Die Lippen sind geschlossen und wirken fest. Sie trägt einen graublauen Arbeitskittel mit Kragen, der an industrielle Schutzkleidung erinnert. Am Halsausschnitt ist ein dunkles Shirt sichtbar. Das Licht fällt weich von links oben ein und erzeugt helle Reflexe auf Haube, Stirn und Wangen, während rechte Gesichtspartien etwas schattiger bleiben. Die Maltechnik ist sichtbar pastos, mit deutlich erkennbaren Pinselstrichen und strukturellen Nuancen in der Haut. Der Hintergrund ist diffus und weich, in kühlen Grau- und Blautönen gehalten, wodurch die Figur optisch hervorgehoben wird. Im linken Bildbereich sind leicht eingeritzte, kaum lesbare englische Worte im Farbgrund zu erkennen, in unregelmäßiger, brüchiger Schrift. Die eingeritzten Sätze lauten: „I work for war“, „They force my hands“, „This isn’t life“, „War eats everybody“. Die Worte wirken absichtlich zurückhaltend, fast verschwindend, wie Gedanken oder Spuren im Nebel. Der untere Bildbereich zeigt den Schulter- und Brustbereich der Frau in größeren, breiteren Pinselbewegungen. Die gesamte Szene ist farblich kühl, gedämpft und nüchtern gehalten, ohne dekorative Elemente. Der Fokus liegt vollständig auf dem Gesichtsausdruck der Frau, ihrer Haltung und der subtilen Textur der eingeritzten Worte im Hintergrund.

In der Munitionsfabrik (2025)

Öl auf Leinen
40 x 60 cm

In der Munitionsfabrik

Auftakt der Serie ‚The War Machine‘

„In der Munitionsfabrik“ ist ein Bild, in dem ich mich bewusst einem blinden Fleck der öffentlichen Wahrnehmung widme: den Menschen, die im Schatten globaler Konflikte die Infrastruktur des Krieges am Laufen halten. Mich interessiert dabei vor allem die unsichtbare Zone hinter der Front – der Ort, an dem ökonomischer Zwang, industrielle Routine und moralische Ambivalenz ineinander greifen.

Die fiktive Arbeiterin portraitiere ich als konkrete, ernsthafte Präsenz. Ihr Gesicht trägt Spuren von Erschöpfung, Konzentration und stillem Widerstand. In meiner Malweise arbeite ich bewusst mit nüchternen, kühlen Farbräumen und einem rohen, expressionistischen Duktus, der sich gegen die Perfektion und Maschinalität der Produktionsumgebung stellt. Öl ist für mich das geeignete Medium, weil es mich zwingt, langsam zu arbeiten — ein Gegenentwurf zu den schnellen, entkörperlichten Prozessen der Industrie.

Die eingeritzten Textfragmente im Hintergrund – Sätze wie „I work for war“, „They force my hands“ oder „War eats everybody“ – sind Spuren eines inneren Monologs, Fetzen von Gedanken, die nicht ausgesprochen werden (dürfen). Indem ich sie in die Oberfläche kratze, wird die Oberfläche selbst verletzt; diese Geste verbindet das Bild formal mit Traditionen, die mich prägen: der verletzbaren Materialität bei Käthe Kollwitz, der Klarheit sozialrealistischer Positionen des 20. Jahrhunderts, und zeitgenössischen künstlerischen Praktiken, die die Oberfläche als Resonanzraum gesellschaftlicher Spannungen begreifen.

Mich interessiert die Frage nach Verantwortung jenseits moralischer Simplifizierung: Welche Wahl hat jemand, dessen Existenz vom Lohn abhängt? Wie sieht die Realität derjenigen aus, die Produkte herstellen müssen, die sie ablehnen? Und wie lässt sich dieser Widerspruch malerisch sichtbar machen, ohne ihn zu instrumentalisieren?

„In der Munitionsfabrik“ ist damit Teil meiner größeren künstlerischen Auseinandersetzung mit Arbeit, Macht und den Grauzonen menschlicher Handlungsspielräume. Für kuratorische Kontexte bietet das Werk Anschluss an Diskurse über Kriegsökonomie, über die Unsichtbarkeit systemrelevanter Körper und über die Frage, wie Malerei heute soziale Realität zeigen kann, ohne sie zu simplifizieren.

Gerade in dieser Zurückhaltung — im Schweigen zwischen den Linien — liegt für mich die eigentliche Spannung des Bildes.

Für Ausstellungseinladungen, Anfragen und neue Kooperationen lade ich Sie herzlich ein, sich für meinen Newsletter einzutragen, meine Werke über Singulart zu erwerben, oder mit mir in Kontakt zu treten.